Schwerpunkt pädagogische Arbeit, BKZ-Online, 15.08.2015

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BACKNANG. „Ich habe einige Schüler dazu gebracht, sich ans Klavier zu setzen und frei drauflos zu spielen.“ Der Backnanger Konzertpianist und Klavierpädagoge Jochen Ferber weiß, dass dies für Instrumentalisten, die das klassische Studium durchlaufen haben, nicht selbstverständlich ist. Die Vorgabe dort ist eher, sich streng an den vorgegebenen Notentext zu halten. Der ist ab einer bestimmten Stufe schon rein technisch schwierig genug. Dann kommen noch die interpretatorischen Ansprüche dazu.

Das Ergebnis ist oft, dass diese Musiker einfach gewohnt sind, nach Noten zu spielen. Auf recht hohem Niveau. Auch vom Blatt. Andererseits tun sie sich schwer, frei zu spielen. Weil Jochen Ferber dieses Phänomen kennt, setzt er in seinem Klavierunterricht – neben aller klassischen Technik – auch stark auf das Erlernen von Improvisation.

Jochen Ferber erzählt fast so nebenbei, dass er alle seine Studien, sei es Kammermusik in Winterthur oder die Konzertpianisten-Ausbildung in Stuttgart, mit Auszeichnung absolviert hat. So wirkt der heute 40-Jährige eher bescheiden und sagt: „Ein Wunderkind war ich nicht.“ Einer seiner Lehrer, Felix Gottlieb, dürfte manchen durch sein Engagement bei den Meisterkursen der Internationalen Klavierakademie in Murrhardt bekannt sein.

Obwohl nachweislich hochkarätig ausgebildet, arbeitet Jochen Ferber, ein brillanter Pianist, heute eher als Pädagoge. Er ist seit 2005 unter anderem Lehrbeauftragter an der Musikhochschule in Stuttgart. Um im Konzertbetrieb erfolgreich sein zu können, bedarf es vieler Eigenschaften. Ferber: „Enorme musikalische und technische Begabung, ein extrem gutes musikalisches Gedächtnis sowie die Fähigkeit, ein Stück rasch einzustudieren.“ Neben diesen Voraussetzungen gehören neben eiserner Disziplin aber noch zwei andere Dinge dazu: „Das Talent, Kontakte zu knüpfen und extrem gute Nerven.“ Um ein Star zu werden, braucht’s wohl dann noch die entsprechende Persönlichkeit und Glück.

Einer von Ferbers Schülern ist der talentierte Viktor Soos: „Viktor ist eine Ausnahmeerscheinung. Das hat man nicht alle Tage“, schwärmt Ferber. Mit ihm verbindet ihn inzwischen, trotz eines Altersunterschiedes von 22 Jahren, eine Art Freundschaft. Die beiden arbeiteten immer wieder zusammen. Auch als Soos Vorstudent bei Professor Oliver Kern in Frankfurt war, kam er dennoch immer wieder zu seinem „alten“ Lehrer. Im Auftrag des Landesmusikrates Baden-Württemberg unterrichtete Ferber das preisgekrönte Duo mit Rebecca Falk (Cello) und Viktor Soos (wir berichteten). Soos, der mittlerweile an der Musikhochschule in Lübeck studiert, traut der erfahrene Klavierpädagoge einen erfolgreichen Weg zu. Viktor Soos sammelt schon seit früher Jugend Preise und Auszeichnungen wie Gleichaltrige Fußballer-Bildchen. Ferbers Optimismus ist durchaus berechtigt, zumal er weiß: „Viktor denkt (vor oder während Auftritten) gar nicht daran, nervös zu sein.“

Ferber selbst tritt mittlerweile 10- bis 15-mal pro Jahr als Pianist auf. Er beschäftigt sich auch mit Neuer Musik: „Neue Musik zu spielen macht Spaß. Sie einzuüben ist allerdings sehr zeitaufwendig. Da ich inzwischen nur noch eineinhalb Stunden am Tag Zeit zum Üben habe, muss ich in gewisser Weise auch ökonomisch denken.“

Neben seiner Dirigententätigkeit beim Oppenweiler Gospelchor als Nachfolger von Florian Lampadius leitet er dort auch den Kirchenchor und macht Orgeldienst. Und schon seit Jahren ist er festes Mitglied bei den Singkronen. Im April dieses Jahres gab er sein Debüt als Liedermacher. Seine Songs sind geistlich und kabarettistisch angehaucht: „Das will ich ausbauen mit Liveauftritten. Die Reaktion des Publikums war total positiv. Das macht mich optimistisch.“

 

Quelle: http://www.bkz-online.de/node/887315